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Altkatholikin
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Resolution der Synode
der Altkatholischen Kirche Österreichs zur "Seligsprechung"
Papst Pius IX.
Mit Verwunderung nimmt die Synode der Altkatholischen
Kirche Österreichs zur Kenntnis, dass Papst Johannes Paul II. einen
seiner Vorgänger im Amt des Bischofs von Rom, Pius IX., am 3. September
2000 seligsprechen will.
Die Altkatholische Kirche Österreichs bestreitet keineswegs das
autonome Entscheidungsrecht der Römisch-katholischen Kirche über
ihre "Selig- und Heiligsprechungen".
Die in Wien versammelte Synode muss jedoch mit Nachdruck darauf hinweisen,
dass ein derartiger Schritt die 1870 von Rom einseitig ausgesprochenen
Exkommunikationen gegen Ignaz von Döllinger und seine Gefährten
und "late sententiae" gegenüber Tausenden von Katholiken
erneut bekräftigen und vertiefen würde. Diese Spaltung war
von altkatholischer Seite nie gewollt oder beabsichtigt. Wir betonen
deshalb: Auch diese neuerliche Vertiefung des Schismas würde ohne
unser Zutun geschehen.
Wir fragen uns ferner, welches kirchenpolitische Signal damit uns Altkatholiken
und auch der ganzen Ökumene gegenüber heute gegeben wird.
Die mit einer Seligsprechung Pius IX. verbundene Betonung der autoritären
Dogmen "Unfehlbarkeit" und "Jurisdiktionsprimat"
über die gesamte Kirche könnte für den ökumenischen
Dialog insgesamt unabsehbare Folgen haben. Darauf muss die Synode eben
gerade aus ökumenischer Verantwortung hinweisen.
Die Synode der Altkatholischen Kirche Österreichs fordert daher
alle Schwesterkirchen in der Utrechter Union auf, mit gleicher Deutlichkeit
Stellung zu nehmen.
Sie bittet den Bischof, die Internationale Bischofskonferenz der Utrechter
Union zu einer deutlichen Stellungnahme zu bewegen und den Erzbischof
von Utrecht um eine entsprechende Initiative in Richtung der Anglikanischen
Kirchengemeinschaft zu ersuchen.
Der Bischof möge ferner in den Gremien des Ökumenischen Rates
der Kirchen in Österreich die mögliche Seligsprechung Pius IX.
zur Sprache bringen und auf die damit verbundenen Gefahren für den
Fortgang des ökumenischen Dialogs hinweisen.
Altkatholische Kirche und Ökumene
- Der ökumenische Auftrag gehört gleichsam zum Antrittsgesetz
des Altkatholizismus, nach der aufgezwungenen Trennung nach 1870.
- Ignaz von Döllinger, einer der bedeutendsten Theologen der Altkatholischen
Bewegung, berief 1874 und 1875 zwei Unionskonferenzen nach
Bonn ein.
- Daran nahmen Katholiken (Altkatholiken), Orthodoxe, Anglikaner und
Evangelische teil.
- Mit der Anglikanischen Gemeinschaft kam es 1931 im sogenannten Bonn
Agreement zur vollen Kommunion- und Kirchengemeinschaft.
Drei Sätze:
- Jede Kirchengemeinschaft anerkennt die Katholizität und Selbständigkeit
der anderen und hält die eigene aufrecht.
- Jede Kirchengemeinschaft stimmt der Zulassung von Mitgliedern der
anderen zur Teilnahme an den Sakramenten zu.
- Interkommunion verlangt von keiner Kirchengemeinschaft die Annahme
aller Lehrmeinungen, sakramentalen Frömmigkeit oder liturgischen
Praxis, die der andern eigentümlich ist, sondern schließt
in sich, daß jede glaubt, die andere halte alles Wesentliche
des christlichen Glaubens fest.
- Mit der Orthodoxie wurden mit Unterbrechungen immer Gespräche
geführt. Diese kamen in den 80er Jahren dieses Jahrhunderts zum
positiven Abschluß im Dokument Koinonia auf altkirchlicher
Basis. Damit wurde zum ersten Mal eine Brücke von einer katholischen
Kirche des Westens zur Orthodoxie geschlafen.
Die westlichen Kirchen haben bereits zugestimmt, während die Zustimmung
des Panorthodoxen Konzils noch aussteht. Ein neues Hindernis ist die Frauenordination.
- Mit der EKD wurde 1985 eine Vereinbarung zur gegenseitigen Teilnahme
an der Eucharistie getroffen. Dies wurde auch in Österreich
akzeptiert.
- Mit der Römisch-katholischen Kirche wurde 1974 auf der Basis
der Zürcher Nota von 1969 in den deutschsprachigen
Bistümern ein
Pastoralabkommen unterzeichnet, das bislang nicht von Rom ratifiziert
wurde. Es bestehen Gesprächskontakte mit dem Einheitssekretariat
in Rom.
- Die Altkatholische Kirche ist Mitbegründerin des Ökumenischen
Rates, sowohl auf Lokalebene (auch in Österreich) wie auf Weltebene.
- Die Eucharistie ist für die Altkatholischen Kirchen sehr wichtig.
Keine Mitgliedskirche sieht sich berehctigt, getaufte Christen aus anderen
Konfessionen vom Tisch des Herrn auszuschließen. Wo Christen kommunizieren,
entsteht Kirche (Eucharistie = Quelle)
Ökumenischer Minderheiten-Knigge
Wir wollen aus dem Evangelium Jesu Christi gemeinsam leben und handeln
In der ökumenischen Bewegung begegnen sich kleinere und größere
Kirchen. Dabei treten gelegentlich Schwierigkeiten auf: daß kleinere
Gemeinden den berechtigtenoder vermeintlichen Eindruck erhalten, von der
jeweiligen Mehrheit nicht ernst genommen zu werden. Eine solche Situation
bringt Mißverständnisse mit sich und behindert das gemeinsame
Zeugnis des Glaubens. Deshalb regt die Arbeitsgemeinschaft Christlicher
Kirchen in Baden Württemberg an für das Zusammenleben von
kleineren und größeren Gemeinden darauf zu achten, daß
wir:
- uns gegenseitig zur Kenntnis nehmen.
- nicht unsere Ängste, der eigenen Tradition entwurzelt zu werden,
zum Ausgangspunkt unserer gegenseitigen Beziehungen zu machen: als Mehrheit
sollen wir nicht fürchten, den kleineren Partner aufzuwerten und
eine "Konkurrenz heranzuzüchten". Als Minderheit sollen
wir nicht fürchten, an die Wand gedrückt zu werden.
- in partnerschaftlichem Geist miteinander umgehen. Partnerschaft im
Geist des Evangeliums Jesu Christi kann nicht von Zahlenverhältnissen
abhängen.
- einander auf der Straße grüßen und Zeit haben für
ein kleines Gespräch.
- uns gegenseitig einladen und besuchen.
- nicht ständig kalkulieren und nachrechnen, ob Ausgewogenheit
besteht - sonst ist Ärger unvermeidlich.
- die Minderheitenrolle nicht als Alibi benutzen, Verantwortung, Arbeit
und Kosten allein der Mehrheit zu überlassen.
- die Rolle der Mehrheit nicht dazu benutzen, die Minderheit zur Untätigkeit
zu verurteilen. Um Zurücksetzungen zu vermeiden, empfiehlt es sich
in größeren Städten, von den Gemeinden der großen
Kirchen zu denen der kleineren Partnerschaftsbeziehungen aufzubauen
und für eine Zuordnung und Gruppierung Sorge zu tragen. Bei ökumenischen
Vorhaben am Ort sollen die Minoritätskirchen angefragt werden,
ob sie zur Kooperation bereit sind und mit ihren Kräften und Mitteln
die Aktion mittragen wollen.
- Veranstaltungen und Besprechnungen auch in Räumen der kleineren
Gemeinden halten und dadurch allen die Möglichkeit geben, Gastfreundschaft
zu gewähren.
- einander nicht mit Papierfluten überschwemmen, aber durch Weitergabe
von Gemeindebriefen u.a. auf dem laufenden halten. Die gegenseitige
Information über die jeweiligen Kirchengemeinden, deren Glaubensleben
und Frömmigkeitsformen ist wichtig. Im Gegensatz zu den großen
Konfessionen sind die kleinen Kirchen noch weithin unbekannt und werden
bisweilen sogar immer noch als "Sekte" verdächtigt.
- nicht aus Profilsucht oder Hochmut uns distanzieren von besonderen
konfessionell geprägten Lebensformen und Traditionen, sondern sie
als Chance zum gegenseitigen Kennenlernen und Miteinander erkennen.
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