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"Die konkrete Leiderfahrung der Autorin findet ihren Niederschlag in Gebeten und einem persönlichen und sehr ungewöhnlichen Kreuzweg, indem der Kreuzbalken spricht, der dem Verurteilten aufgeladen wird..."

Leiter, Karin E.
Tanzendes Kreuz
Mein Weg über Golgotha
112 Seiten; 15 farbige u. 21 sw. Abbildungen; 20,5 x 12,5 cm; Broschur.
€ 14,90.-
ISBN 3-7022-1735-5

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Einleitung Vorwort Leseprobe
Einleitung von P. Hannes König S.J. Rosenkranz der Wahrheit

Einleitung

Der Titel "Tanzendes Kreuz" klingt widersprüchlich. Unsere Erfahrungen mit Kreuz, Leid und Tod sind eher erdrückend, verbinden sich mit Ausweglosigkeit und Dunkelheit, worin Lebensfreude und Fröhlichkeit keinen Platz haben.
Als junger todkranker Mensch hat K. Leiter zu schreiben begonnen. Ihr Schreiben heißt Leben gegen das Sterben. Sie lebt, weil sie in ihrem sturmbewährten Glauben an Gott jene Kraft bekommt, die sie trotzdem leben läßt.
Die Autorin hat den Sprung geschafft weg vom erdrückenden Leiden, hin zu einem Leiden, von dem sie sagt: Das ist meine Berufung, das ist mein Leben, das bin ich. Und wenn man zu diesem Punkt hinkommt, fängt das Kreuz zu tanzen an, d. h., das Leid wird auch zur Fröhlichkeit.
Das Buch enthält Gebete, die in vielen schlaflosen, schmerzvollen Nächten entstanden sind: klagende, bittende, lobpreisende Psalmen. Im Zentrum steht ihr ganz persönlicher "Kreuzweg", der sich auf einzigartige Weise mit dem Kreuzweg Jesu verbindet. Was die Autorin hier schreibt, hat sie vorher erfahren, gefühlt, erlitten, gefeiert.

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Vorwort

Ein Wiener Gemeindebau. Stiege 18. Mal fünf Stockwerke, in jedem Stockwerk drei Wohnungen. Der Zahl der Bewohner nach ein kleines Dorf. Aber es ist wie eine einzige Festung, mit Höfen, Durchgängen, Abstellplätzen für Müllcontainer, Sandkisten, da und dort ein Stückchen Grün. Wichtig die Telefonzelle am Eck. Wenn die Eingangstüre zur Stiege 18 versperrt ist, braucht man ein Telefon, um die gesuchte Wohnpartei zu erreichen.
1. Stock - 2. Stock - 3. Stock. In der Mitte: Karin Leiter. Eine Drehklingel. Hinter der Wohnungstüre ein schmaler, lichtloser Vorraum. Fleckerlteppich. Der Rest ein großer, unterteilter Raum. Urgemütlich. Der Duft von Brennholz, Teekräutern, frischer Luft. Ein Holzherd, Regale voller Bücher, Blumenstöcke auf der Fensterbank. Stille. Karin freut sich über den Besuch. Sie hat gebeten, ihr auch die Kommunion zu bringen.
Im Eck über dem Eßtisch ein Gekreuzigter. Armlos. Ohne Balken. Auf dem Tisch frischer Tee, Kandiszucker, selbstgebackene Kekse, bauchige Tassen. Eine Kerze, ein Lebensbaum in Kreuzesform. Alles, als ob es immer so gewesen wäre. Es war nicht immer so.
Da waren viele Jahre, und sie waren ein langer, dornenvoller, dunkler Weg. Es ist noch nicht so lange her, daß der Weg den Namen bekommen hat: Mein Weg über Golgotha, und daß dieses Herz sich bei der Hand nehmen hat lassen - zum Tanz. Vor ein paar Tagen hat die Krankheit wieder neu zugeschlagen. Die Tumore in den Knochen sind ins Mark durchgebrochen.
Neuerliche schmerzhafte Behandlungen. Aber im Sommer hat es eine längere Ruhepause gegeben. Wie ein Sturm ist da der Kreuzweg zu Papier gekommen. In nur ein paar Tagen.
An einem verborgenen Plätzchen unter einem Strauch draußen auf dem ebenen Land.
Die schlaflosen, schmerzerfüllten Nächte in den Wintermonaten sind durchgestanden. Vorbei. Fast schon ferne Vergangenheit. Aber in diesen Nächten sind Gebete geschrieben worden. Sie sind geblieben. Die Prognose lautete: Vielleicht noch drei Wochen. Tag und Nacht zwischen Leben und Tod. Das war der Kreuzweg. Aber das Licht ist nie ganz verloschen. Es hat sich seinen Weg gebahnt.
Dolores Bauer, eine Weggefährtin, ist wieder aus Brasilien zurück. Die Radiosendungen stehen. Das Buchmanuskript ist fertig. Karin darf es zuerst lesen. Die Zeugnisse vom Kampf gegen die vielen Tode wühlen auf. Neue Texte entstehen. Sturzgeburten. Im Inneren ballt sich ein Schrei zusammen. Drängt nach draußen. Am Sonntag kommt Raimund und holt Karins Manuskript ab.
Und morgen? - Niemand weiß.

P. Hannes König S. J.

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Rosenkranz der Wahrheit

Mutter des Herrn,
Du liebende Demut und auserwählte Frau.
Wir haben Dir eine schwere Krone
aufs Haupt gedrückt und Dich
weit fort in den Himmel gestellt.
Damit wir Dich nicht sehen müssen,
wenn Du Dein sterbendes Kind
nicht mehr aus dem Rinnstein heben kannst.
Damit wir Dich nicht weinen hören,
wenn der Hunger Dein Kind tötet.
Damit wir nicht glauben müssen,
daß Dein Kind von Waffen zerfetzt ist.
Damit wir schlafen können,
während Dein Kind versklavt wird.
Damit wir Dir eine Kirche bauen,
während Dein Kind erfriert.

Mutter des Herrn,
Du liebende Demut und auserwählte Frau.
Wir haben Dir eine schwere Krone
aufs Haupt gedrückt und Dich
weit fort in den Himmel gestellt.
Und Du stirbst einen langsamen Tod,
abgeschoben in ein Heim,
vergessen, allein und alt.
Und Du sitzt im Rollstuhl,
wirst angestarrt und zur Seite geschoben.
Und Du wirst vergewaltigt und entwürdigt,
alleingelassen mit Deinem Kind.

Mutter des Herrn,
Wir demütigen und quälen Dich,
wir erniedrigen und mißbrauchen Dich.
Du alte, weise, barmherzige Frau,
was tun wir Dir nur alles an!

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