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"Ein Buch voll Poesie und herzhaftem Lachen!"

Leiter, Karin E.
Die Lachfalten Gottes

Fröhliches Christsein

104 Seiten; 16 farb. Fotos d. Autorin;
20,5 x 15,5 cm; geb.
€ 14,90.-
ISBN 3-7022-1942-0

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Vorwort Leseprobe
von Doz. Franz Schmatz Klangfarben
Motiv-Aktion

 

Vorwort

In einer Zeit, in der in unserer Kirche vor weiteren Aufbrüchen gewarnt wird, Angst und Ängstlichkeit zunehmen, die letzten Machtreservate abgesichert und der Erhaltung des Systems das Wort geredet wird...

In einer Zeit, in der die Diskriminierung der Frau "für ewig" festgeschrieben werden soll und immer mehr Frauen mit Recht sich verachtet und entwürdigt fühlen...

In einer Zeit, in der den Menschen, die Versöhnung suchen, selbstherrlich der Weg zur Nähe Gottes versperrt werden soll und so deren Wunden noch vertieft statt geheilt werden...

In einer Zeit, in der die Sprache der Menschen heute nicht mehr wahrgenommen und gesprochen wird und auch deshalb Leben und Glauben getrennt werden...

In einer Zeit, in der wegen der Fixierung auf sogenannte Tradition der Ursprung aus dem Blickfeld schwindet...

In einer Zeit, in der oft die Zeichen der Zeit verkannt, Chancen für Erneuerung vertan und das Loslassen des Erstarrten verweigert wird...

steht Karin Leiter als aufrechter, also aufgerichteter Mensch ehrlich, spontan, mutig, prophetisch und lebensbejahend vor uns und schenkt uns Bilder und Worte zu den Lachfalten Gottes!

Mein Gott, tut das gut:

Eine Frau, die sagt, was sie denkt; die sich holt, was sie braucht; die verschenkt, was die Verantwortung erlaubt; eine Frau, die wahrnimmt und wahrgenommen werden möchte; die lauscht und zum Horchen provoziert; die aus der Mitte zur Mitte finden und begleiten will; eine Frau, die das "Trotzdem" in allen Lebenslagen nicht predigt, sondern glaub-würdig lebt und so anderen die Masken fallen läßt; eine Frau, die Systeme, Strukturen, Hierarchien, Definitionen und Denk- und Diskussionsverbote locker hinter sich läßt und einfach spontan echt und klar lebt und glaubt.

Karin, bist Du Priesterin, Prophetin, Lehrerin, Seelsorgerin, Therapeutin? Ach was, Du sprengst doch alle diese definierten Rollen mit Deiner Einmaligkeit und Lebendigkeit. Darin weist Du vielen von uns Wege in die Zukunft und machst uns Geschmack auf Leben und Glauben.

Gut, daß es Dich gibt, Karin.

 Mit allen guten Wünschen
 

 Franz Schmatz

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Klangfarben

Im Einklang keinen
Anklang finden,
weil die Symphonie
des Lebens eben
nicht eintönig ist.

Mein Klangkörper
schwingt
den Geist
in die Regenbogentrommel
meiner Seele.

Rahel steht
mit ihrer Herde
am Brunnen.

(Haben Seelsorger
eigentlich Musikunterricht?)

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Motiv-Aktion

Vaduz. Das Hotel über der Stadt, ja über dem ganzen Land eigentlich. Vom Balkon aus der Blick auf das Schloß. Das Wetter versprach aufzuklaren, und ich hatte zwischen Vorträgen und Seminar einen freien Tag. Ich wollte mich entspannen.

Mit der Kamera in der Hand wurden auch meine Gedanken immer ganz still. Ich war nur noch Auge, staunte durchs Objektiv, versank in dieses eine Bild, das ich mir aus der Fülle herausholte. Irgendwie kam ich mir das erste Mal richtig touristisch vor: von einem Hotel aus mit umgehängter Kamera auf Motivsuche. Die Neugier im Auge, den Apparat schußbereit.

An der Straßenecke standen sie, die Kollegen, und knipsten die Burg längs und quer, im Stehen, Knien und aufs Autodach gestützt. Ich wollte nur meinen Zimmerschlüssel zur Rezeption im Nebenhaus bringen. Und dann ... Aber so weit kam ich nicht mehr! Vor dem Haus war er: der schönste Kanaldeckel der Welt! Ich blieb stehen, ging einen Schritt zurück, zur Seite - das Licht spielte verschiedene Tiefen. Ein welkes Blatt lag wie hingehaucht über dem Wabenmuster Den Blick fixiert, steckte ich meinen Zimmerschlüssel in die Fototasche und holte die Kamera heraus. Dann schaute ich mir meine Entdeckung genauer an. Der Kanaldeckel zeigte sich unverschämt, spielte das Lichtspiel mit. Ich war total versunken.

Plötzlich tippte mir jemand auf die Schulter und sagte hinter mir:

,,Haben Sie etwas verloren?"

Ich schreckte kurz aus meiner Betrachtung auf: ,,Nein, danke!"

Der Mann blieb stehen und musterte mich offensichtlich.

,,Kann ich Ihnen wirklich nicht helfen?" Jetzt wurde er lästig!
,,Nein danke! Ich fotografiere nur den Kanaldeckel", sagte ich unwillig.
,,Was machen Sie da?" fragte er ungläubig.
Jetzt schaute ich ihn an. Es sollte kein Mißverständnis geben:
,,Bitte gehen Sie mir aus dem Licht! Ich will diesen Kanaldeckel fotografieren!"
Er trat fast andächtig einen Schritt zurück und blieb dann wie angewurzelt stehen.
Ich kehrte zum Objekt meiner Begierde zurück.
Diese klaren Linien, dieses alte Blatt mit seinem Schwung. Unwillkürlich begann ich ein Lied zu summen und zoomte vor und zurück.
Irgendwo ganz weit hinter mir hörte ich wie aus einer anderen Welt: ,,Hat jemand etwas verloren?"
,,Nein, die fotografiert den Kanaldeckel!" ,,Was macht sie da?"
"Ja, sie fotografiert den Kanaldeckel!"
Jetzt noch einmal von dieser Seite - ohne Blatt ...
Eine Frauenstimme kam aus dem Nebel hinter mir: ,,Ist etwas passiert?"
Schweigen.
,,Was ist denn da los?" Die Stimme gab nicht auf. Der Bariton von vorhin sagte fast flüsternd: ,,Sie fotografiert." ,,Den Kanaldeckel!" ergänzte mein Gesprächspartner sofort.
,,Schlüssel verloren?" kam der Hotelportier nähen ich wußte schon, ich konnte ruhig weiterarbeiten. Die Antwort war ein dreistimmiger Chor:
,,Sie fotografiert den Kanaldeckel!"
Verhalten, fast leise, mit einem Hauch von Geheimnis kam die Erklärung aus meinem Rücken. Jetzt hatten sich die Nebel gelichtet. Die Menschen standen knapp hinter mir.
"Willkommen im Club." flüsterte ich dem Kanaldeckel zu und lachte in meine Brennweite hinein.
Zwanzig Bilder, und eine halbe Stunde später war die Gruppe auf sieben Menschen angewachsen.
,,Ein herrliches Motiv!" sagte ich lächelnd und steckte meine Kamera wieder in die Tasche.
Der Mann der ersten Minute war noch immer da. Er hatte seine Fassung auch als erster wiedergefunden:
"Wenn Sie die Straße ein Stück vorgehen, dann haben Sie einen tollen Blick auf das Schloß!"
,,Danke, aber das interessiert mich nicht. Kein Motiv!" Jetzt schüttelten alle verständnislos die Köpfe. Ich bückte mich noch einmal, hob das braune Blatt von "meinem" Kanaldeckel und legte es in die Äste eines Strauches gleich daneben. Ich wollte nicht, daß es niedergefahren wird. Es sollte einfach verrotten zwischen den Zweigen.
,,Auf Wiedersehen", sagte ich zu meinem Publikum und schlenderte eine kleine Gasse hinunter.
Sehr freundliche Menschen, die Vaduzer!...

(Aus "Die Lachfalten Gottes")

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