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"Verdichtete Texte und leuchtende Mandalas zeugen von Karin Leiters grenzerfahrungen und einem unerschütterlichen Gottvertrauen."

Leiter, Karin E.
Ein Mandala voll Gottvertrauen
Fundstücke auf meinem Weg zur Priesterin 160 Seiten; 12 farbige Illustrationen der Autorin; 8 Mandalas zum Kopieren und Selbermalen;
20,5 x 12,5 cm; geb.
€ 15,90.-
ISBN 3-7022-2128-X

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Vorwort  Nachwort Leseprobe
von Albert von Gansewinkel SVD von Bischof Bernhard Heitz Schulaufsaetze
Gefallsucht

 

Vorwort

Berufene Priesterin

Der Priesterberuf
Das Wort "Priester" stammt von dem griechischen Wort "presbyteros" ab. Es bezeichnet einen Menschen, der durch Lebenserfahrung, Eifer und Redlichkeit in seinem Alter fähig geworden ist, seinen Mitmenschen zu helfen und zu raten, wie sie sich in ihrem Leben, besonders in Fragen der Gottes- und Nächstenliebe verhalten sollten. '
Das lateinische Wort "sacerdos", von "sacrum dare", bezeichnet einen Menschen, der Mitmenschen in der Liebe zu Gott stärken kann. Das deutsche Wort "Priester" erinnert an die Lebensaufgabe aller Menschen - und besonders der Priester eben -, Gott in Seiner Größe zu preisen und Ihm für Seine Liebe zu danken. In gemeinschaftlichen Gottesdiensten bedenken wir voll Dankbarkeit das Leiden und Sterben Jesu Christi und wir preisen Seine Auferstehung (1 Kor 11,26; 1 Petr 2,12).
Es gibt keinen einzigen stichhaltigen Grund - weder theologisch noch aus der Tradition -, Frauen das Weiheamt zu verweigern. Neben der göttlichen Berufung gibt es einen wichtigen Grund, ihnen priesterliche Vollmacht zu geben: Nur Frauen können helfen! Weit mehr Frauen als Männer erfüllen ihre religiösen Pflichten. Warum sollten sie ihr Charisma für die Gemeinde nicht zum Nutzen aller leben dürfen?

Die Berufung von Karin Leiter
Alle Menschen sind vernunftbegabte und liebesfähige Lebewesen, rational und relational. Darüber hinaus gibt es aber noch individuelle Begabungen. Da ist jemand besonders sprachbegabt, ein anderer fühlt sich in der Welt der Zahlen und Rechnungen so richtig zu Hause, es liebt jemand die Musik besonders und hat ein feines Gehör für Töne. Die Farben und Formen bewegen diesen Menschen, den anderen eine Sportart, der Tanz ... Es gibt die scharfen Denker, die visionären Träumer. Jede Begabung macht Gottes Schöpfung so sehr reich und vielfältig. Es gibt eine Begabung, die sehr selten ist: die Begabung zum religiösen Menschen. Zu diesen gehört Karin Leiter. Schon in der Frühzeit erkannte ein Tertullian (t 225), daß ein Leben nach den Weisungen Christi der menschlichen Natur entspricht. Auch Augustinus (t 430) machte die Erfahrung, daß der Mensch unruhig ist im Herzen, "bis es ruht in Gott".
Bereits in zwei Schulaufsätzen zeigt sich die Berufung des 11 jährigen Kindes. Das Unverständnis in den Beurteilungen dieser beiden Schularbeiten bringt zum ersten Mal zum Ausdruck, was dieses hochbegabte Mädchen und später die junge Frau wieder und wieder erleben und auch erleiden muß. Trotzdem läßt sie sich nicht beirren, nimmt einen weiten Weg auf sich, liebend und geliebt in unerschütterlichem Gottvertrauen dem Ruf Gottes zu folgen.
Als Krankenschwester steht sie kranken Menschen bei. Aber sie spürt trotzdem, daß darin noch nicht die Erfüllung ihrer Berufung liegt. Immer aktiv in kirchliches Leben eingebunden, wuchs aber auch ein tiefes Unbehagen in der "Bauchgegend", wie Frau Leiter es sagt. Es geht ihr nicht um akademische Titel in ihrem Studium, sondern um Lernen und Wissen. Nur so kann sie ihre Kritik überprüfen und ihren Standpunkt wirklich begründen. Zugleich bleibt sie in ihrer Theologie eine Lernende, denn das Leben selbst ist der beste Lehrmeister.
Theologisches Denken hat sich bei Karin Leiter vor allem an Sölle, Drewermann, Boff und ganz besonders an Pinchas Lapide zu orientieren begonnen, die Erkenntnisse der feministischen Theologie erweiterten ihren Horizont noch um Wesentliches. Große Seelsorgserfahrung machte Frau Leiter in der Begleitung von sterbenden und trauernden Menschen, mit denen sie mitten in ihrer eigenen schweren Krankheit unterwegs durch Lebenskrisen war und ist. Auch im Unterricht, in Seminaren und Vorträgen war und ist sie selbst Lehrende und Lernende zugleich. In ihren Büchern gibt sie nicht nur ihren reichen Erfahrungsschatz weiter, unzählige Gebete und Psalmen bezeugen ihre mystische Begabung: sensibel, bestimmt und voll tiefen Glaubens.
Karin Leiter ist auch ein politisch denkender Mensch. Sie denkt in geschichtlichen Zusammenhängen und zeitkritischen Dimensionen, sie steht mit beiden Beinen mitten in dieser Welt und hat einen scharfen, analytischen Verstand. Hier versteht sie es, auch die Stimme der Prophetin zu erheben.

Die Behinderung
Das feinsinnige und bewundernswert gebildete Gewissen und Wissen dieser auch künstlerisch so sehr begabten Frau war wieder und wieder einer unerträglichen Zerreißprobe ausgesetzt. Sie stand am Sterbebett und durfte die tröstenden Sakramente nicht spenden, sie erlebte die Not der Ausgegrenzten hautnah mit (wiederverheiratete Menschen, homoerotische Menschen ... ) und sah den Abgrund zwischen der Frohbotschaft Jesu und den unmenschlichen Verboten kirchlicher Gesetze. Ihre Liebe zur Kirche Jesu Christi stand auf dem Spiel.
Ihre Würde als Frau und ganz besonders als berufene Frau wurde mit Füßen getreten, sie war unerträglich tief verletzt worden.

Befreiende Lösung
Karin Leiter mußte ihrem Gewissen und dem Ruf des Heiligen Geistes in ihrem Herzen folgen. Wir dürfen, ja wir müssen sogar annehmen, daß der Heilige Geist es war, der ihre Schritte leitete und sie zum Entschluß führte, in die altkatholische Kirche einzutreten.
"Ich hatte den neuen Weltkatechismus gerade fertig gelesen, als die Nachricht um die Welt ging, daß Bischof Gaillot in die Wüste geschickt worden war", erzählt Frau Leiter und fährt fort: "Da war mit einem Mal der Bogen so überspannt, daß meine Saite einfach riß. Die Zweifel durften nicht zur Verzweiflung werden, die Trauer nicht zur Resignation und vor allem meine Wut nicht zu Haß."
Wenn. sie heute zurückschaut auf diesen Schritt, dann sagt sie mir: "Mein Großvater gehörte keiner Kirche an. Er war ein weiser, tief gläubiger Mann, der das Fundament meines Glaubens tragfähig gelegt hat. Diesen Schatz, den er in Kindertagen in mein Herz hineingestreichelt hat, lerne ich erst in den letzten Jahren wirklich begreifen. Dafür bin ich unendlich dankbar. Ich danke auch meinen Religionslehrern, die mich die Liebe zum sakramentalen Leben in kirchlicher Gemeinschaft gelehrt haben. Die Zeit in der katholischen Jugend, mitten im Aufbruch nach dem Konzil war wertvoll, spannend und voller Hoffnung. Das erlebt zu haben, ist großer Reichtum. Mein Kirchentraum war aber immer schon der einer synodalen katholischen Kirche, die meinem Glauben und vor allem meinem Gewissen freie Heimat und nicht Versklavung verheißt. Daß meine tiefen Verletzungen heilen und ich meine Liebe zur Kirche Jesu Christi nicht verloren habe, verdanke ich der altkatholischen Kirche. Ich bin heimgekommen!" Karin Leiter steht heute in der Gewißheit, daß Gott ihr Leben und ihre Berufung mit Wohlgefallen in Seiner Hand hält. Sie ist glücklich und erfüllt, als Priesterin Gott und den Menschen dienen zu dürfen wie einst die Mutter Maria, wie einst Maria von Magdala und all die ungezählten Frauen.
Wir dürfen sagen und wir sagen es: Frau Karin Leiter, Geliebte Gottes, wir gratulieren!


Univ.-Prof. em.
Dr. Albert van Gansewinkel SVD

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Nachwort von Bischof Bernhard Heitz

7 mal 7

Warum ich mich als Bischof berechtigt und verpflichtet sehe, berufene Frauen (genauso wie berufene Männer) zu Priestern zu weihen:

  • weil mich die Synode aus bibeltheologischen Gründen, aus Gründen der Tradition, des Glaubenssinnes des Volkes und aus Gründen der Vernunft mit 84,1% Zustimmung dazu ermächtigt hat;
  • weil Christus Mensch wurde, nicht Mann, nicht Frau, und den Schoß einer Frau und Mutter nicht verschmähte;
  • weil durch die Taufe alle am königlichen, prophetischen und priesterlichen Amt Christi teilhaben;
  • weil in der Bibel nur Christus "Priester" genannt wird und sich das dreigeteilte Amt erst ab dem 2./3. Jahrhundert entwickelt hat;
  • weil es das Sakrament der Priesterweihe erst sehr spät gibt (ab dem 5. Jahrhundert) und die Lehre vom "unauslöschlichen Merkmal", das bei einer Weihe übertragen wird, erst endgültig seit dem Trienter Konzil (16. Jahrhundert);
  • weil der 12-Männer-Kreis symbolische Bedeutung hat (12 Stämme - 12 Apostel!) und das Argument "Jesus wählte keine Frau" nicht gelten kann; er wählte auch keinen Nicht-Juden;
  • weil die Frau nach der Schöpfungs- und Erlösungsordnung Christus und die in Christus versammelte Gemeinde genauso repräsentieren kann wie ein Mann;
  • weil die höchste Christus-Repräsentation in der frühen Kirche von Frauen und Männern im Martyrium geschah und Märtyrer einen höheren Rang einnahmen als z. B. Bischöfe;
  • weil es biblisch und theologisch kein wirkliches Gegenargument gibt;
  • weil Frauen in der Bibel als Apostolinnen, Prophetinnen, Missionarinnen und Lehrerinnen gewirkt haben und Hausgemeinden vorstanden;
  • weil der auferstandene Christus selbst Maria von Magdala als erste Zeugin der.Auferstehung zu den Aposteln sendet;
  • weil Jesus mit der samaritanischen Frau am Jakobsbrunnen ein theologisches - und das erste biblisch bezeugte ökumenische - Gespräch führt;
  • weil Frauen in der Bibel Maria von Magdala, Johanna und Susanna u. a. Jesus mit ihrem Besitz dienten;
  • weil die Wirklichkeit Gottes sowohl den "männlichen" Logos- als auch den "weiblichen" Sophia-Gedanken umfaßt;
  • weil Gott universal ist und zu unterschiedlichen Zeiten und an unterschiedlichen Orten nicht unterschiedlich berufen kann;
  • weil der Grund der "kultischen Unreinheit" nach der Botschaft Jesu überholt ist, da alles, was Gott geschaffen hat, gut ist und geheiligt wird durch die Annahme unter Dank und Gebet (1 Tim 4,1-4);
  • weil durch die Taufe grundsätzlich nationale, gesellschaftliche und geschlechtliche Unterschiede aufgehoben sind (Gal 3,28);
  • weil man nicht ein Sakrament gegen ein anderes stellen kann, sonst müßte man Frauen, wenn sie "weiheunfähig" sind, auch als taufunfähig bezeichnen;
  • weil kein ökumenisches Konzil noch irgend ein gesamtkirchlich verbindlicher Text die Frauenweihe mit dogmatischen Gründen ausschließt;
  • weil die Kirche dem Wandel der Zeit unterworfen ist durch das Wirken der Geist-Wirklichkeit Gottes, die heute genauso am Werk ist wie zu Beginn der Kirche und weht wann, wo und wie sie will;
  • weil es um das Heil des ganzen Menschen geht und all unser Kirche-Sein immer offen bleiben muß für die größere Wirklichkeit des umfassenden Heiles des Kommens des Reiches Gottes;
  • weil Frauen damals eine andere gesellschaftliche Stellung und Geltung hatten als heute;
  • weil die Sündenfallgeschichte in ihrer Auswirkung bis heute allein Eva die Schuld gab und gibt, während Adam widerspruchslos ein "Mitesser" war;
  • weil gegen den Geist Jesu frühchristliche Frauentraditionen systematisch unterdrückt und zum Verschwinden gebracht wurden und erst heute mühsam wieder aufgedeckt werden;
  • weil gegen den Geist Jesu aus einer Kirche der Gleichgestellten und aus der geschwisterlichen Ordnung (Mt - Gemeinderegel) Über- und Unterordnung wurde;
  • weil gegen den Geist Jesu kirchliche Patriarchaesierung Frauen vom Amt ausschloß und dies der Tendenz nach schon in den Pastoralbriefen beginnt und sich bei den Kirchenvätern fortsetzt;
  • weil die Polemik einiger Kirchenväter gegen das kirchliche Amt von Frauen nicht nur zur theologisch falschen Lehre von der Minderwertigkeit der Frau, sondern auch zur skandalösen Gleichsetzung von Frau und Häresie geführt hat (Hieronymus);
  • weil gegen den Geist Jesu z. B. Tertullian Frauen verachtet und fürchtet und der Frau nicht nur die Verführung des Mannes, sondern auch die der Engel vorwirft und sie als "Einfallstor aller Sünde und des Teufels" diffamiert, was sich schlimm ausgewirkt hat, aber heute von niemandem ernsthaft vertreten werden kann;
  • weil man biologisch falsch noch bis ins 19. Jahrhundert glaubte, im Sperma des Mannes sei der ganze Mensch enthalten und die Frau trage nur den schützenden Nährboden für den Fötus bei;
  • weil es auch in anderen Fällen in der Kirche immer wieder Neuerungen gab: Zölibatsgesetz, liturgische Sprache, Kirchenstaat, neue Ämter und Dienste;
  • weil Frauen als Diakoninnen - vor allem im Osten - im ersten Jahrtausend der Kirche bestens bezeugt sind und die gleiche Weihe wie die Männer empfingen (consecratio, nicht benedictio);
  • weil historische Argumente gegen Frauen im Amt wie "Wiederkehr der Göttinnen", "Heiden nehmen Anstoß", "Gefahr des Einflusses reicher Frauen" (Witwen) ... heute nicht mehr gelten;
  • weil in der konfliktreichen, geschichtlichem Diskussion um Weiheämter für Frauen vor allem Machtfragen, Probleme der Anerkennung und der öffentlichen Geltung eine entscheidend negative Rolle gespielt haben und aus eben diesem Faktum heute ein positives Argument wird;
  • weil der Geist des Evangeliums dem Buchstaben der Tradition widerspricht und die Gründe für die Nachordnung der Frau (sie gehöre nicht an den Altar bzw. könne nicht lehren) entweder vorchristlicher Sakralordnung oder spätmittelalterlicher Lehre entspricht und somit sozio-kulturell bedingt sind;
  • weil der von Tertullian und neuerdings wieder angeführte Verhinderungsgrund "der sündhaften Unordnung" (Johannes Paul II) nicht nur Frauen, sondern alle Menschen betrifft;
  • weil kirchenrechtliche Bestimmungen wandelbar sind und die ontologische Begründung einer wesentlich entscheidenden Differenz zwischen Frau und Mann einer bestimmten (scholastischen) philosophischen Strömung entspringt, die später durch andere philosophische Systeme und Denkweisen (z.B. Existenzphilosophie) relativiert, ergänzt und überholt wurde;
  • weil die Frauenordination heute eine Notwendigkeit ist und die Glaubwürdigkeit der Kirche auf dem Spiel steht;
  • weil weit mehr Frauen als Männer sich religiös engagieren und am Gottesdienst teilnehmen und die Kirche die Frauen braucht;
  • weil Frauen noch zu Beginn unseres Jahrhunderts "nicht für fähig gehalten wurden, im Kirchenchor mitzusingen" (Pius X), wozu sie später doch fähig wurden (vgl. auch Ministrantinnen!), wenn auch "im gemischten Kirchenchor, getrennt von den Männern" (Pius XII);
  • weil es nach heutigem Empfinden natürlich und vernünftig ist, während es Paulus für unnatürlich hielt, wenn Frauen kurze Haare und Männer lange Haare tragen (vgl. 1 Kor 11,14) ;
  • weil zu den herkömmlichen Kriterien bei der Beurteilung einer kirchlichen und den Glauben berührenden Angelegenheit: was sagt die Bibel, was sagt die Tradition, was sagt die öffentliche Meinung? noch das Kriterium der Gerechtigkeit hinzukommen muß;
  • weil die Kirche kein Recht hat, berufene Menschen von einem kirchlichen Auftrag grundsätzlich auszuschließen;
  • weil das Geschlecht eines Menschen nicht über die Fähigkeit zu einem kirchlichen Dienst befinden kann;
  • weil "katholisch" allumfassend bedeutet und die anglikanischen und reformatorischen Kirchen, die Frauen ordiniert haben, nicht allesamt im Irrtum sein können, vielmehr Teile der einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche sind;
  • weil die Kirche Christus, dem Herrn der Kirche, und Gott nicht vorschreiben bzw. erlauben kann, unter welchen Bedingungen er einen Menschen und wen er in seinen Dienst berufen will;
  • weil die männerdominierte Theologie und Christologie längst durch die Frauensicht ergänzt und bereichert worden ist und noch weiterer Ergänzung und Vervollständigung bedarf;
  • weil die Kirche Frauen in kirchlichen Ämtern für ihre zukünftige Existenz braucht, um so die umfassende Heilssendung Christi zu bezeugen;
  • weil es längst nicht mehr nur um Gleichberechtigung und um Sonderrechte für Frauen und ihre Beteiligung in der Gesellschaft geht, sondern um die Zukunft der Kirche in dieser Gesellschaft überhaupt;
  • weil damit die Tradition der Diskriminierung der Frauen theologisch und kirchlich aufgehoben wird.

 
Bischof Bernhard Heitz Altkatholische Kirche Österreichs


Ehepaar OstRn Monika und B. Bernhard Heitz

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Schulaufsätze

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Gefallsucht

Auch auf die Gefahr hin,

als unmögliches Weib

verschrien zu sein,

erbrave ich mir mein

mögliches Frausein nicht mehr!

Auch auf die Gefahr hin,

daß mir alle guten Geister

abgesprochen werden,

setze ich meine Geistin frei

und bin weder brav noch harmlos!

Auch auf die Gefahr hin,

daß nicht einmal mehr

Schutzpatronen mich

mundtot kriegen,

bin ich endlich geheilt

von alter Gefall-Sucht:

Ich, unmögliche,

geistreiche, laute frau!

Und ganz nebenbei hat die

Großmutter den Wolf gezähmt.

Jetzt fürchten sie einander nicht mehr

und teilen die Rosinen im Kuchen –

auch auf die Gefahr hin,

daß das kein Märchen mehr ist!

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