Meine Bücher
Übersicht | Bestellung

zurück


"Lyrik und Kurzprosa; Texte voll Leben, kraftvoll, wach, sensibel und echt."

Leiter, Karin E.
Schlag-Worte

Gedankensprünge im Schrifts-Teller

136 Seiten; 6 sw. Abbildungen der Autorin;
20,5 x 12,5 cm; Broschur.
€ 9,90.-
ISBN 3-7022-1858-0

Kommentar zum Buch ins Forum schreiben

Vorwort Leseprobe
von Dr. Toni Wille Großmütter
Demokratiebestrebungen
Mein Tod

 

Vorwort

Von Schlag-Worten im freien Gedankensprung zu Schlag-bäumen. Schlagbäume markieren Grenzen. Karin Leiter hat sie aufgehoben und die Grenze überschritten: die kleine Grenze zwischen Österreich und Liechtenstein für eine Vortragswoche. Die große Grenze mit ihrem Ja zum Leben angesichts der tödlich bedrohenden Krebskrankheit. Aus ihren grenzüberschreitenden Erfahrungen konnte sie uns mit-teilen, wo die Not liegt und die Not-wendigkeit ruft. Aus vielen Gedanken wird mir einer leitend für die Zukunft bleiben: Engt die Betroffenen nicht mit eurer Hilfe ein! Laßt sie selbst machen! Gebt ihnen Raum und Zeit!
Im Helfertum kämmt eine Zeit des Ge-horchens anstelle des Bestimmens.
Die Begegnung mit Karin war Herausforderung und Besinnung: Krebskrankheit provoziert wie jede andere Krankheit. Ist aber drängender und schonungsloser in der Frage nach dem Sinn der Krankheit und letztlich nach dem Sinn des Lebens. Durch Krankheit kann etwas bewußt werden, was man vorher verdrängt und unterdrückt hat. Für mich hat Krankheit, ganz besonders Krebs, einen Ordnungssinn, ist Hoffnung und Chance. Hoffnung und Chance, die jedem Menschen eigene, innere Ordnung wahrzunehmen. Krankheit ist niemals Strafe sondern Ausrichtung!
"jetzt oder nie" war Karins Antwort auf den Schlag der Krebsdiagnose und kurzfristigen Überlebensprognose. Das Leben verlangt, vielmehr ist Entscheidung. Es gibt Lebenssituationen, die pressen den Menschen so dicht, daß sein weiteres Leben im Widerstandleisten zur Verdichtung wird. Der Saft wird aus der Frucht gepreßt. Bis aufs Blut. Dies ist mein Blut. Lebendigwerden heißt wohl, die Situation der Inkarnation durchleiben und durchbluten.

Karin Leiter liebt Gedichte immer mehr, weil ihr Leben immer dichter wird. Es ist ein Prozeß der Verdichtung, über die Stationen des Loslassens bis zur Gelassenheit. Wieder im Bild der Frucht: das Schälen bis auf den Kern. Aber auch das Essen, das Genießen des Fruchtfleisches. Kein asketisches Martyrium! Ich kann Karins innere Freude beim Dichten verstehen. Der Geist drängt durch das Wort in die Verdichtung.
Das Wort ist Fleisch geworden.
Fleisch als die Verdichtung des Geistes. Gott ist Mensch geworden . . .
Gedankengänge, Kreuzgänge, Ostergesänge ... vom Himmel her, mitten auf der Erde, zur Kommunion.
Karin ist auch eine begnadete Fotografin. Auch bei dieser Kunst werden ihre Linsen gleichsam dichter, dringen vor bis zum wunderbaren Kapillarnetz des Hibiskusblütenblattes in zerfließendem Blutrot. Zuerst das wortlose Staunen über dieses Bild und jetzt das langsame Erkennen des einheitlichen Musters:
In der Form das Netz, in der Bedeutung der Zusammenhang - hinter der Vielfalt die Einheit.
Liebe Karin, Du bist selbst ein Muster! Dein Muster läßt immer mehr Verbindung erleben. Wenn wir das Lebendige einmal erkannt haben, begegnet es uns in allem. Darum ist Begegnung eine so tiefe Freude!
In der Begegnung schauen wir das Gleichnis und im Gleichnis das Gesicht des Einen!
Ich freue mich über Deine Schlag-Worte und höre Deine Hände die Trommel schlagen, in deren Bauch die Ahnung tönt, wie Schläge tiefe Berührungen sein können.

 Dr. Toni Wille
(Präsident der Krebshilfe Liechtenstein)

Seitenanfang

Großmütter

Großmütter sind Menschen,
die selbst keine Kinder haben
und deshalb die Kinder anderer so lieben.

Eine Großmutter geht langsam spazieren.
Sie sagt nicht: "Beeil' dich, mach schneller!"
Endlich hat man als Kind einmal Zeit,
sich in Ruhe schöne Blätter

und Raupen anzuschauen.

Großmütter sind meist dick.

Aber nicht zu dick, um dir die Schuhe zuzubinden.

Eine Großmutter weiß einfach,
daß ein Kind ein zweites oder ein viel größeres
Stück Kuchen braucht.

Großmütter tragen Brillen und manchmal können sie
sogar ihre Zähne herausnehmen

Einer Großmutter macht es nichts aus,
eine Geschichte immer wieder zu erzählen,
und sie läßt dabei nie etwas aus.

Eine Großmutter ist einfach schwerhörig,
wenn wir uns einmal danebenbenehmen.

Eine Großmutter wird nicht böse und schimpft.
Sie kommt lachend in Wut.

Sie versteht es, mit einer Hand zu trösten,
wenn einem etwas weh tut.

Großmütter sind gar nicht so zerbrechlich
wie sie immer wieder sagen,
auch wenn sie viel öfter sterben als wir!

Jedes Kind sollte versuchen,
wenigstens eine Großmutter zu haben.
Das ist schöner als Fernsehen.

(Aus K.E.Leiter "Schlag-Worte", Tyrolia)

Seitenanfang

Demokratiebestrebungen

Die Welt liegt in Scherben -
und ich soll Geschirr spülen!
Die Umwelt stirbt -
und ich soll meine Wäsche selbst versorgen.
Die Wirtschaftslage ist unübersichtlich _

Und ich soll mein Geld einteilen!

Und überhaupt:
Revolution gegen Staubtücher und Staubsauger!
Freiheit für Staubfänger.
Es lebe der Liebeskummer!

Heute ist Pubertät,
aber niemand versteht mich!

(Aus K.E.Leiter "Schlag-Worte", Tyrolia)

Seitenanfang

      Mein Tod

       

      Meine Augen werden sich
      schließen
      wie Tore einer
      gefüllten Scheune.

       

      Du wirst mir die Augen
      schließen
      und ich beginne von neuem
      zu schreiben.
      Zeit der tiefen
      Gedichte
      von Gott und
      der Welt.

      Du wirst mir die Augen
      schließen
      und ich beginne von neuem
      zu malen.
      Bilder vom Himmel
      für die Erde.

      Mein Mund
      wird schweigen
      und
      meine Seele
      beginnt zu singen.

      Der Tod ist treu
      und das Sterben
      besser als sein Ruf!

Seitenanfang