Zur Euthanasie


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Aus "Made in Austria - Zur Karenzzeit"

...Die Karenz muß möglich sein:

  • sofort (denn wie lange sollte ich warten müssen, bis so ein Antrag alle Instanzen durchlaufen hat - bis zum Begräbnis des inzwischen Verstorbenen?)
  • mit finanzieller Mindestabsicherung (Es kann nicht sein, daß hier eine Familie, eine Lebenspartnerschaft, die ohnehin in emotionaler Krise steht, auch noch finanziell in schwere Krisen kommen soll. Der Belastungsfaktor würde psychisch schwere Auswirkungen vor allem auf den sterbenden Menschen haben. Außerdem wird durch die private Zuhause-Betreuung enorm viel an Kosten gespart - ein Teil davon muß den Betroffenen zur Verfügung stehen!)
  • mit der Möglichkeit der Teilzeit-Fächerung (Es muß möglich sein, daß sich zwei bis drei Menschen die Betreuung aufteilen. Das würde für die Arbeitsstelle keinen Vollausfall bedeuten, der Belastungsfaktor könnte erträglich gehalten werden, auch der sterbende Mensch behält mehr Beziehungen aufrecht und wird nicht zur Belastung für eine einzige Pflegeperson.)
  • der Verwandtschaftsgrad darf nicht fixiert sein (Zum einen kann und darf kein sterbender Mensch gezwungen sein, von einem Familienmitglied gepflegt werden zu müssen, nur weil die Verwandtschaft besteht. Unverheiratete LebenspartnerInnen, langjährige beste FreundInnen müssen die Möglichkeit auch haben, d.h. die "Wahlfamilie" des kranken Menschen muß dieses Recht auch bekommen können!)
  • Die Karenz zur Sterbebegleitung ist nicht "gnädig" zu gewähren, sie ist zu gewährleisten! Sie ist eindeutig eine Bringschuld der Gesellschaft an sich selbst und politisch nicht weiter vorzuenthalten!
  • Die Zeit darf nicht begrenzt werden. Denn was ist, wenn der sterbende Mensch nach der 6-monatigen Frist immer noch lebt? (Soll er dann euthanasiert werden: Grund = es mußten alle wieder an die Arbeit, niemand konnte mehr pflegen....)

Frankreich hat hier eine hervorragende Lösung für die Praxis gefunden.

Diese völlig absurde Zeitbegrenzung von 6 Monaten (ich frage mich wirklich, wer diese Idee geboren hat!) dürfte in mehreren Bürokratenköpfen herumspuken: Einer Krebspatientin in Deutschland wurde von ihrer Krankenkasse für 6 Monate ein Aufenthalt in einem stationären Hospiz bewilligt, weil sie nicht zu Hause betreut werden konnte und aufgrund ihres terminalen Zustandes (Endstadium) aus dem Krankenhaus entlassen werden sollte. Nach diesem halben Jahr war die Frau immer noch am Leben. Die Krankenkasse verweigerte (hoffentlich vorerst) weitere Zahlungen.
Was sollte die Patientin tun? Sich entschuldigen, daß sie immer noch nicht tot war? Sich zu Hause hinlegen und auf den Tod warten ohne die notwendige therapeutische Begleitung? Sollte sie sich selbst töten oder nach Holland fahren?
Meine Fragen sind nicht so zynisch wie das Ansinnen, daß ein Sterbeprozeß nicht länger als 6 Monate dauern darf.
Eine Freundin von mir hatte einen Vorschlag zur Lösung: Vielleicht sollten eingesparte Zeiten von anderen PatientInnen eingelöst werden können. Stirbt jemand vor Ablauf der Halbjahresfrist, dann gibt es ein Guthaben, das an einen Menschen weitergegeben werden kann, der eben länger braucht...
Ich hoffe es wird deutlich, wie pervers (im wahrsten Sinne des Wortes!) dieser Gedankengang an sich schon ist.

Ein Tip an diese "DenkerInnen": Es gibt bereits praktizierte und erfolgreich umgesetzte Modelle, man/frau muß dieses Rad nicht neu erfinden! Der Blick über den eigenen Tellerrand hinaus kann auf keinen Fall schaden!
Dies gilt auch für die jahrzehntealte Streitfrage zum medizinisch einsetzbaren und wichtigen Medikament Cannabis. Die kanadischen Erfahrungen könnten und müßten längst in eine zeitgemäße Medizin übernommen werden.
Vielleicht sollte ernsthaft einmal darüber nachgedacht werden, die immer noch festzustellenden Opiophobien in Mediziner- und Politikerkreisen zu therapieren. Denn offensichtlich gelingt es manchen dieser Leute einfach nicht, zwischen Suchtgiftmißbrauch (und nur hier gehört dieses Wort "Sucht-Gift" her!) und notwendendem Medikamentengebrauch zu unterscheiden.
Es ist eigenartig: Wenn ein Mensch mit Diabetes Insulin spritzt, Tabletten nimmt, dann wird niemand auf die dumme Idee kommen, daß er auf Insulin "süchtig" sei. Er braucht das Medikament, um zu leben.
Wenn ein Mensch mit chronischen Schmerzen effiziente und nebenwirkungsarme Schmerzmittel braucht, um leben zu können, wenn ein sterbender Mensch in seinen letzten Lebenswochen Schmerzmittel braucht, dann blinkt selbst da eine Ampel: Suchtgefahr!
Es ist höchste Zeit, mit diesem lebensbedrohlichen Unsinn aufzuhören!...