Zur Euthanasie


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Nachwort von Ulrike Schmid, Hospiz Land Baden-Württemberg

In einer Zeit, in der in Deutschland die sehr kontroverse Diskussion zur Formulierung eines Gesetzes zur Finanzierung der ambulanten Hospizarbeit geführt wird, entsteht Karin Leiters neues Buch.

Möchte die Hospizbewegung "Hospiz" in Deutschland glaub-würdige Antwort auf die Fragen der Euthanasie-BefürworterInnen nach gangbaren Alternativen geben, kann sie nicht mehr nur Laienbewegung bleiben, sonder muss professionelles Know-how integrieren (und zwar aus allen Disziplinen).

Das interdisziplinäre Team, das den Sterbenden und seine Mitwelt betreut, muss auch Hospiz-Fachkräfte enthalten. Wir können nicht warten, bis MitarbeiterInnen aus Pflege und Medizin
in den bestehenden Strukturen ausreichend weitergebildet sind, um Sterbende und ihre Familie adäquat hospizlich bzw. "palliativ" zu versorgen.

Wir brauche jetzt eine Hospizbewegung, die auch im ambulanten Bereich flächendeckend Professionelle mit Palliative-Care-Fortbildung einsetzt, die Sterbende und ihre Angehörige, aber auch andere, an der Pflege und Versorgung Beteiligte beraten und begleiten.

Erst wenn die Hospizbewegung schnell, flexibel und fachlich kompetent zur Verfügung steht und dies durch wirksame Öffentlichkeitsarbeit auch weitverbreitetes Wissen in der Bevölkerung ist, haben Menschen wie Kees und Antoinette van Jodl nach intensiver Beratung und Palliativtherapieangeboten auch wieder die innere Option, ihr Leben wirklich zu Ende zu leben.

"Hospiz ist eine Bewegung" schreibt Karin Leiter, "Hospizarbeit bringt die Gesellschaft in Bewegung". Hospiz bringt auch die Debatte um Sterbehilfe in Bewegung - ein Thema, das in seiner Komplexität nicht schwarzweiß abgehandelt werden darf, sondern mit viel Sensibilität, Zugewandtheit und Respekt angegangen werden will. Erst wenn dafür Raum geschaffen ist, können sich Gedanken klären, können Emotionen aufgearbeitet werden.

So z.B. bei Gustl, der erst in der Auseinandersetzung realisiert, dass er gar nicht sich selbst umbringen möchte, sondern eigentlich den, der ihn als Junge jahrelang missbraucht hat.

Die deutsche Hospizbewegung steht an einem Wendepunkt. Wer künftig als ambulanter Hospizdienst von den Kassen bezuschusst werden möchte, muss bald eine Palliative- Care Fachkraft nachweisen. Erhöhte Qualitätskriterien ziehen notwendigerweise eine Veränderung bestehender Strukturen nach sich - Veränderung heißt immer Abschied und Neubeginn.

Hermann Hesse schreibt in seinen "Stufen": "...wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten, an keinem wie an einer Heimat hängen...".

Nehmen wir doch diese Chance in beide Hände, um mit der fachlichen Ergänzung zu einer äußerst engagierten freiwilligen Hospizarbeit eine wirksame Alternative zum vorgezogenen Tod durch Sterbehilfe zu schaffen.

Karin Leiter danke ich für dieses persönliche und tief bewegende Buch. Möge es viele Menschen zum Nach-Denken und Überprüfen ihrer Meinung und Haltung bringen und Stoff für zahlreiche Gespräche und Diskussionen bringen!


Ulrike Schmid