Zur Euthanasie


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Vorwort von Hofrat Dr. Otto Huber, Leiter der Gruppe Gesundheit und Soziales beim Amt der NÖ Landesregierung

Neue Gesetzeslagen in der Stadt Zürich und in den Niederlanden haben die Diskussionen um aktive Sterbehilfe auch in Österreich und Deutschland massiv entfacht. Zugleich wurde die Notwendigkeit und Verpflichtung zum Ausbau von Hospiz- und Palliativeinrichtungen politisch und gesellschaftlich damit sehr deutlich vor Augen geführt. Dazu gehören vor allem auch Aus- und Weiterbildungen von Ärzten und Pflegenden und die mögliche Karenzierung von Angehörigen.

Eine erfahrene Palliativmedizinerin schrieb dazu: "Palliativmedizin ist begleiten, auch lachen, hinhorchen, Symptome lindern, ist Achtung vor dem Anderen. Aktive Sterbehilfe ist genau das Gegenteil, ist die Machtanwendung der Medizin unter Berufung auf philosophische Thesen, wie jene von der menschlichen Selbstbestimmung." Und sie stellt die dringende Frage, warum sie in den Spitälern und auch Hospizen noch nie einem Ethiker begegnet sei, der das Sterben vorort erforschen will!

Vor allem Menschen wie Karin E.Leiter, die schon jahrelang in der Sterbebegleitung arbeiten und sich engagieren, haben die Erfahrung gemacht, daß ganz wenige todkranke PatientInnen in ihren letzten Lebenstagen so sehr der Verzweiflung nahe sind, daß sie die Selbsttötung wählen würden. Diese Verzweiflung entsteht vor allem durch äußere Umstände wie Einsamkeit, Belastung sein und dem Gefühl des Ausgeliefertseins.

Frau Leiter erzählt in diesem Buch sehr berührend und eindrücklich, wie diese Tiefpunkte gemeinsam bewältigt, ja umgekehrt werden können und aus einem Todeswunsch noch lange kein Tötungswunsch entstehen muß.

Ganz besonderen Persönlichkeiten in der Hopsizbewegung - und dazu zähle ich Karin Leiter (sie ist ja Mitbegründerin der Hospizbewegung in Österreich von den ersten Stunden an) - ist es zu danken, daß auch in Niederösterreich vor allem in den letzten Jahren das Anliegen der Begleitung sterbender Menschen zu einer echten Bewegung geworden ist. Ich persönlich habe Frau Leiter beim Aufbau des ersten stationären Hospizes im Pensionisten- und Pflegeheim des Landes Niederösterreich in Melk 1998 kennen und schätzen gelernt. Sie hat durch ihre Projektbegleitung, vor allem durch die Weitergabe ihres Wissens und ihrer Erfahrung aus der eigenen Lebensgeschichte und ihrer jahrelangen Arbeit an die MitarbeiterInnen und Angehörigen wesentlich dazu beigetragen, daß heute im größten österreichischen Bundesland Vielversprechendes passiert: mit tatkräftiger Unterstützung des Landesverbandes Hospiz NÖ und der Hospizplattform knüpft sich ein immer tragfähigeres Netz zahlreicher regionaler Hospizinitiativen, vier stationären Hospizen in Pflegeheimen und vier palliativen Pilotprojekten in Krankenanstalten.

Das Buch von Karin Leiter zeigt uns überzeugend die Not-wendigkeit einer solchen Entwicklung und Verantwortung auf, sie sagt uns mit aller Deutlichkeit, welche Lösungen wir brauchen, wollen wir vor den wirklichen Problemen die Augen nicht weiter zumachen. In einem ihrer Gedichte schreibt sie einmal: "...Ich sterbe - laßt es mich erleben!"

Diese Frau hat die Sterbebegleitung zu ihrer Lebensaufgabe gemacht - mitten in ihrem eigenen Sterbeprozeß. Dieses Buch ist ein Vermächtnis, ein "Macht weiter!" Es ist Zeit, daß wir dem Sterben Leben geben!


Dr. Otto Huber