Gebete
und Liturgie

Krankenpastoral


Narrenschiff

Den Jona gerufen.
Er flüchtet weit.
Mich hast Du gerufen.
Ich komme zu Dir.
Den Jona gerettet in wilder See.
Mich forderst Du schwimmen
bis ich nicht mehr kann.
Den Jona belehrt unterm
Rizinus mit Schatten und Glut.
Mich hinausgeschickt
in Wüste und Nacht.

Ich bin nicht
Deine Närrin, Gott!
Wenn Du mich rufst,
dann tu es laut!
Wenn Du mich rufst,
dann steh dazu!

Ich bin nicht
auf dem Schiff,
bin nicht auf der Flucht!
Du hast mich berufen,
jetzt bezeuge es auch!
Bezeuge Du, Gott,
Deinen Ruf!
Oder schweige für immer
still in mir!

Ich kann schwimmen,
aber nicht im Eismeer.
Ich kann schwimmen,
aber nicht über einen Ozean!
Merk es Dir, Gott,
und achte mich!

(aus K. E. Leiter "Ein Mandala voll Gottvertrauen", Tyrolia)

Dreistundenpsalm

Gott, Du Widerspenstiger,
Du Quäler und Rätsel,
Du Allesforderer
und Unverschämter,
Du Fremdvertrauter,
Du machtlos Liebender
und lieblos Mächtiger -
Du Sargnagel!
Du Folterknecht
und Henker,
Du Taubstummer -
wo bist Du?
Hast Du mich gerufen,
mich zu verderben?
Ich habe alle Farben
des Lebens verschenkt
im Vertrauen auf Dich -
und jetzt verschlingt
mich die Nacht,
undurchdringlich und schwarz!
Dein Wille geschehe -
es wird dunkel um mich.
Dein Wille geschehe -
Dein Wille!
Dein Wille,
Du Erbarmungsloser!
Nacht und Angst und Schmerz!
Unsäglicher Schmerz!
Meine Seele wirft sich
bäumend
in Todesarme.
Der Tod
fängt sie nicht,
läßt sie fallen
in tiefe, trockene
nackte Brunnen.
Echoschmerz brüllt in mir
und meine Angst bebt
in einem Höllenschlund.
Wo bist Du?
Willst Du mich -
so befreie mich!
Laß mich leben
oder
in den Tod sinken -
aber zerbrich mich nicht
in Nacht und Qual!
Willst Du mich -
so befreie mich!
Warum tust Du mir das an?
Warum hast Du mich verlassen?
Warum?
Du!
Warum Du?!
"Er ist ein mühsamer Freund!"
sagt die Freundin hoffend.
Kein Freund - jetzt!
Mit einem Nachbeben
zittert meine Not
ein Nein.
"Er hat die Kraft gegeben..."
sagt der Freund wissend, leise.
Auf-Bäumung
nagelt mich selbst
auf Golgotha fest.
Meine Seele kommt
mühselig
von weit her -
Immer wieder
hält sie inne,
liegt still
und verblutet -
waidwund erbärmlich.
Wo ist der Gott,
den ich so liebe?
Warum nur dieser grausige Schmerz?
Liebeskummer verkümmert mich.
Du hast mir Gewalt getan,
Du Schrecken dieser Stunden!
Grausamer Spieler, Du!
Der Tag ist Nacht
und ich lebe nicht wirklich!
Armselig meine Seele,
irgendwo ver-wüstet.

Eine Ikone:
Freundin und Freund
im Auftauchen,
brennendes Atemholen.
Sie rollen den
schweren Stein weg
in einem Augen-blick
voll Erkennen.
Gott, ich lasse nicht von Dir!
Hörst Du?
Hörst Du es nicht,
werde ich malen
für Dich.
Neue Farben des Sterbens.
Dann schau' mich an.

Die vierte Stunde,
der dritte Tag:
wir beide
wieder eins.
Träume ent-binden schwere Not -
Gott, Du geliebter Schwere-nöter!

(K.E.Leiter, aus "Wenn Gott uns streichelt", Tyrolia)

Klagepsalm

Du Gott, Du in den Himmeln
und mitten unter uns,
Du, überall und jetzt ganz da.
Heiland, der Schmerz, Verachtung,
Folter und Dunkelheit kennt,
Heiland, der heilt und ganz bewahrt
in Seiner Hand, was jetzt
zerbrochen und verwundet ist.
Heiland, der salbt und verbindet nach
all dieser Qual und dem Schmerz,
Heiland, der Licht ist mitten in dieser Nacht.
Du bist da, hier und jetzt!
Weine mit uns!

Deine Tränen vertreiben die grausige Angst
und geben uns Raum.
Raum, um Dich zu fühlen,
mitten in diesem Schmerz.
Raum, Dich nahe zu wissen, Heilmachender.
Laß unsere Seelen nicht verdursten
und nicht verhungern
in der Wüste der Not.

Du selbst bist uns Speise, Dein Stab
schlägt Wasser aus härtestem Stein.
Verzeih Du, was wir nicht verzeihen können,
und nimm uns in Deine Arme,
ganz so wie wir jetzt hier sind.

Begleite uns
inmitten von Versuchung und Verzweiflung,
von Ohnmacht und Aufschrei
nach Vergeltung.
Laß unsere Herzen still werden
in Deinem liebenden Frieden.

Du Gott, Du Ewiger,
Du hast Schmerz und Tod überwunden.
Löse Angst und Leid
und verbinde unser Leben mit
Deiner Lebendigkeit.
Sie leite, führe und bewahre uns zu Dir.
Erlöse, richte auf und schütze
in Deiner Liebe.
Darum bitten wir Dich!

(K.E.Leiter, aus "Wenn Gott uns streichelt", Tyrolia)

Lobpreis der starken Frau
(Nach dem Buch der Sprüche 31, 10-31)

Eine starke Frau ist nicht zu messen
an allen Schätzen der Welt. Auf sie ist Verlaß,
sie trägt ihre Verantwortung und mutet dem
Mann die seine ruhigen Herzens zu.
Kein Talent läßt sie verkümmern
und ermutigt die Ihren, die Lebensnot-wendende
Hoffnung niemals aufzugeben.
Energisch tritt sie gegen Unrecht und Not auf,
ist berührt von Freude und Schmerz.
Sie schämt sich ihrer Gefühle nicht und schweigt
nicht mehr zu dem, was wirkliche Schande ist.
Sie versteht es, Geborgenheit und Ruhe
zu schaffen und läßt damit die
Sehnsucht nach Frieden weiter wachsen
als Kriegslust und Kampfgeist.
An ihrer Seite richten sich Menschen
auf und im Ansehen voreinander
werden Unterdrückung und Unrecht entlarvt.
Vom Ertrag ihrer Arbeit kauft die
Frau einen Weinberg. Sie bepflanzt
ihn mit Liebe und erntet mit
Frauen und Männern zur Freude
vieler Menschen reife Frucht.
groß ist das Glück einer Stadt, wenn
die Stimmen von Frauen und Männern
gehört werden im Rat und sie so
gemeinsam handeln und wachsen.
Reichlich gibt es starke Frauen.
Und Männer und Kinder erstarken mit ihnen.
Das ist die Hoffnung dieser Welt
und die Freude ihres Schöpfers!